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Von Venedig bis Rimini

     >Die Familie Este  >Byzantinische Kultur  >Wasserkultur
Die Abtei von Pomposa
Mosaik
Sant'Apollinare in Classe
  Die Geschichte des Podeltas ist durch die Interaktion zwischen den Naturkräften und den menschlichen Eingriffen charakterisiert. Beide Faktoren haben die Entstehung einer außerordentlichen ökologischen und kulturellen Vielfältigkeit innerhalb einem einzigen Gebiet ermöglicht.
Das Deltagebiet hat sich wegen der Geröllablagerung des Flusses Po durch die Jahrhunderte hindurch gebildet; diese Aktion hat die ständige Verschiebung der Küstenlinie mit sich gebracht: ein Gebiet zwischen Erde und Himmel, das in ständiger Entwicklung ist und ein Tor zum Meer darstellt.
Seit der Epoche der römischen Legionen und später der mittelalterlichen Pilgern stellte dieses Gebiet ein Dreieck dar: Seine Eckpunkte waren die märchenhafte Stadt Venedig, die herrliche Ferrara (Este Wanderweg) und die glänzende Ravenna (byzantinischer Wanderweg). Aber man muss die wunderschöne Stadt Rimini im Süden nicht vergessen.
Bei den archäologischen Ausgrabungen hat man einen etruskischen Handelsplatz und andere wichtige Zeugnisse der Handelsbeziehungen mit der griechischen Zivilisation und mit den Völkern aus Nordeuropa gefunden. Auch die ersten Wasserbauwerke gehen auf die etruskische Zeit zurück: Sie dienten zur Entwicklung der Schifffahrt, Fischzucht und Landwirtschaft. Die Römer haben in diesem Gebiet Wasser- und Landwege bereitgestellt und die Häfen und die örtlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten stark gefördert. Die römische Epoche hat wichtige Zeugnisse hinter sich gelassen, wie beispielsweise den Hafen von Classe und die Kirchen von Ravenna mit ihren wunderschönen Mosaiken, die noch heute den Glanz der 5.und 6. Jahrhunderte beweisen, als Ravenna die Hauptstadt des Weströmischen Reiches und später der Sitz des Exarchats des Oströmischen Reiches war. Die Straße Via Romea, die im Mittelalter zwischen Chioggia und Ravenna wieder gebaut wurde, folgt der Trasse der Römerstraße Popilia in Richtung Süden zwischen Ravenna und Cattolica.
Die Stadt Comacchio, geschützt von ihren Lagunen, ist ein historisches Symbol der Wasserkultur. Die Stadt entwickelte sich ab der langobardischen Epoche dank dem Fischreichtum der Lagunen und einer wesentlichen Ressource: dem Salz. Man kann die Beziehung zwischen den Menschen und dem wertvollen „weißen Gold“ in der herrlichen Stadt Cervia spüren: Dank dem Salz ist diese Stadt zu einem neuen Leben geboren, nachdem die naheliegende römische Stadt Ficocle wegen der gefährlichen Ausdünstungen aus den Salzbecken verlassen wurde. Comacchio und Cervia sind die Deltastädte, die die Meeres- und Wasserkultur im ganzen Gebiet am besten verkörpern.
Mit ihren herrlichen Bodenmosaiken, Fresken und dem harmonischen Glockenturm beweist die Abtei von Pomposa, die von den Benediktinermönchen gegründet und zwischen dem 7. und dem 9. Jahrhundert im Herzen des Deltas aufgebaut wurde, das hohe Entwicklungsniveau, das die Kunst und die Architektur in jener Zeit erreicht haben. Auch die Trockenlegungsarbeiten haben eine wesentliche Rolle im Gebiet gespielt, da sie das hydrogeologische und landwirtschaftliche Gleichgewicht dieses Territoriums verbessert haben. In den folgenden Jahrhunderten haben die Völkerwanderungen eine progressive Versumpfung mit sich gebracht. Auf Initiative des Herzogs Alfons II von Este wurden neue Trockenlegungsarbeiten im 16. Jahrhundert durchgeführt. Das Schloss in Mesola war die Residenz des Hofstaats Este für die Jagdpartien im Wald von Mesola.
Die Landschaft des Deltas begann am Anfang des 17. Jahrhunderts und nach der Einheit Italiens (1861) sich zu stabilisieren. Kolossale Trockenlegungsarbeiten, die ein breites Sumpfgebiet betroffen haben, haben auch die Landschaft, die Natur und die menschlichen Ansiedlungen im Delta radikal verändert.
In der heutigen Landschaft des Deltas, das unter der Verwaltung des Naturparks ist, wechseln bezaubernde Lagunen mit einer außerordentlichen ökologischen Vielfältigkeit und atemberaubende Wasserlandschaften einander ab.